380kV -NEIN
Positives Kabelgutachten liegt vor!
Zusammenfassung von Ereignissen ab April 2001 in Schlagzeilen:
18.
April 2001: Start einer
Medienoffensive mit dem Titel „Liebe Steiermark, wenn i groß bin, möchte
i gern da bleiben“ (Werbebudget ca. S 10.000.000.— laut APG). Mit dieser
Medienoffensive inkl. dubioser Meinungsumfragen setzt der Verbund zum neuerlichen Anlauf an, die 380er Leitung
durch die Oststeiermark zu realisieren. Vorausgegangen war diesem Schritt ein
Zusammengehen der STEWAG mit dem VERBUND.
18. Mai 2001: Vorbesprechung der TU-Studie in der Gemeinde Empersdorf
31. Mai 2001: Konkreter Auftakt zum Leitungsbau des Verbundes durch Ing. Helmel, Ing.Fichtinger, im Südburgenland in Form eines Koordinationsgespräches in der Gemeinde Markt Allhau. Verbund versuchte mittels Luftbildern die Bürgermeister zu bewegen, Trassenvorschläge einzuzeichnen. Zur Überraschung des Verbundes waren auch wir anwesend.
13. Juni
2001: Einladung
aus Wattens in Tirol -
Pressekonferenz über „Zukunftsweisende Übertragung von elektrischer Energie
in umweltsensiblen Gebieten“. Dabei ging es um den Rückbau von Freileitungen und hin zur
Erdverlegung durch ein System der Fa.Siemens/Deutschland.
18. Juni 2001: Präsentation des Kabelgutachtens durch Prof. Woschitz/TU Graz in Rauden mit den betroffenen Gemeindevertretern. Beratung über die Verwendung dieses Gutachtens auch für die Salzburger Gemeinden.
03. Juli
2001: Information
der Frau LH W.Klasnic über das Ergebnis des Kabelgutachtens mit
Prof. Woschitz und Übergabe einer Kurzfassung des Gutachtens im Grazer Landhaus.
05.Juli
2001: Podiumsdiskussion
im Grazer Landhaus (Rittersaal) unter dem Motto: Stromdrehscheibe Österreich.
Moderation: Norbert Swoboda;
06. Juli
2001: Präsentation
des Fachgutachtens der TU Graz der
Öffentlichkeit und Diskussionsrunde mit den Verbundleuten in Empersdorf.
Juli
2001: Schreiben vom 10.7.2001-
Frau LH W.Klasnic setzt Herr L. Kapfer als
Mediator in Angelegenheit 380kV-Leitung ab 20.Aug.2001 ein.
20. Aug.2001: Standpunkt der Gemeinden wurde Herrn Kapfer in einem ausführlichen Gespräch (im Gemeindeamt) dargestellt.
31. Aug.2001:
Besprechungen
mit Vertretern der Salzburger Gemeinden Koppl, Eugendorf und Hof.
Der Widerstand dieser Gemeinden wird durch die Aussage des Salzburger
Landesrates Sepp Eisl, eine Erdverlegung in sensible Bereichen anzustreben,
erheblich gestärkt (siehe Salzburger Nachrichten vom 27.Juli 2001).
06. Sept.2001:
Gesprächstermin mit LH-Stellvertreter DI. Schöggl. Die Gemeinden
ersuchen um Unterstützung im Kampf gegen die 380er Freileitung, sowie um
finanzielle Unterstützung.
10. Sept.2001: Der Landtag befasst sich mit der Kausa 380kV durch die Oststeiermark.
Drei Punkte wurden behandelt:
1)Forderung des Landtages gerichtet an BM. Martin Bartenstein, kein Projekt zu genehmigen, bei dem das UVP-Gesetz 1994 umgangen wird - wurde dem Minister mitgeteilt!
2)Endlich den Landtagsbeschluss vom 9.Juni 1998 - Alternativen zur 380kV-Freileitung durch eine Studie untersuchen zu lassen - umzusetzen. Wurde durch Regierungsbeschluss mit der Begründung der Nichtfinanzierbarkeit abgelehnt - der Landtag nimmt dies leider zur Kenntnis !
3)An die Verbund AG heranzutreten, alle relevanten Unterlagen für eine Entscheidung offen zu legen. Die APG übermittelte dem Landtag dazu nur eine allgemeine Stellungnahme, bei der versucht wurde, die Notwendigkeit darzulegen.
09. Okt.2001: Bürgermeisterkonferenz in Pischelsdorf. Festlegung nächster Schritte im Hinblick auf die Gespräche mit der Verbund AG/APG. Dies wurde durch die Bestellung eines Mediators/Moderators durch die Frau Landeshauptmann notwendig.
Ergebnis:
a) Verfassen einer gemeinsamen Erklärung zum "Runden Tisch" am 16.Nov.2001 in Nitscha durch uns.
b) Keine Teilnahme an einer Vorbesprechung zum Runden Tisch am 16.Okt.2001
16. Nov.2001: "Runder Tisch" in Nitscha. Vertreter der Verbund AG/APG, der E-Control (Liberalisierungsaufsichtsbehörde), der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer ,der STEWEAG und der Landesenergiebeauftragte für Stmk. wollten unter Pressebeteiligung die betroffenen Bürgermeister eingehend über die Notwendigkeit einer 380kV-Freileitung "aufklären".
Am Schluss der von 10 - 15 Uhr dauernden Diskussion stand eine gemeinsame Erklärung der betroffenen Gemeinden (siehe Gemeinden), die augenscheinlich bei der Gegenseite Wirkung zeigte. Diese Erklärung wurde von allen anwesenden (27) Gemeindevertretern unterzeichnet und unterstreicht die Solidarität in der Ablehnung einer Freileitung durch die Gemeinden der Oststeiermark.
19. Nov.2001: Frau LH W. Klasnic und dem BM Dr. M. Bartenstein wurde ebenfalls die Erklärung der Gemeinden übermittelt. Klar festgehalten wurde, dass die Gemeinden jetzt und in Zukunft nicht bereit sind, einer 380er Freileitung zuzustimmen. Sollte ein Bewilligungsverfahren, dass alle Forderungen der durch die Volksabstimmung legitimierten Gemeindevertretungen ignoriert, in Gang gesetzt werden, wird mit allen Mitteln, juristisch wie politisch dagegen angekämpft werden.
Versuche medialer Desinformation - am Beispiel der 380er-Leitung
Laut Duden wird das Wort „Desinformation" mit „bewusst falsche Informationsverbreitung" umschrieben.
Dieser Eindruck verstärkt sich bei mir beim Lesen von Artikeln in Zeitungen und so genannten „Informationsbroschüren" der Verbund AG/APG u.a. zunehmend. Hier einige Beispiele aus der letzten Zeit:
a)Kleine Zeitung vom 7.12.2000 u. andere: "2001 bis 2003 sollen alle nötigen Verfahren abgewickelt werden, 2004 der Bau der 75 km langen Freileitung erfolgen und 2005 der erste Strom fließen" Zitatende!
Mit solchen unterschwelligen Darstellungen soll der Bevölkerung eingeredet werden, mit dem Leitungsbau könne die Verbund AG jederzeit beginnen. Selbst wenn die Gemeinden alle Verfahren vor den Höchstgerichten verlieren würden - was nicht anzunehmen ist - setze ich dafür einen Verfahrenszeitrahmen von rund 8 Jahren an, wobei technische Weiterentwicklungen bis dahin noch überhaupt nicht abgeschätzt (NKT - hat bereits supraleitende Kabel im Feldversuch) werden können.
b)Steirische Stromzukunft Nr.1: Zum Thema Ausfallsicherheit Seite 5 Dr.Zankl/STEWEAG "Durch die Errichtung der 380-kV Leitung Richtung Südburgenland eröffnet sich die Möglichkeit, einen weiteren 380/110-kV Stützpunkt südlich von Gleisdorf zu errichten, wodurch die Versorgung von zwei geographisch getrennten Punkten (gemeint ist Zwaring )aus erfolgen kann".
Was verschwiegen wurde ist folgendes, ob nun das 380/110kV Umspannwerk in Gleisdorf oder ein paar Kilometer weiter östlich im Raum Oberwart (bereits in Betrieb) steht, hat für die Versorgung der Oststeiermark keine Relevanz - beide Male ist eine zweiseitige Anspeisung gegeben.
c)Verbund Werbe-Slogan " Starker Strom für die Steiermark" in allen Medien !
380.000 Volt verbergen sich hinter der harmlosen Bezeichnung 380kV, nicht zu verwechseln mit dem Starkstrom von 340 Volt, mit dem die Motoren unserer Industrie und Wirtschaft angetrieben werden. Ebenso wird in der Presse fast immer die 13fache Kapazität einer 380kV-Leitung zu einer herkömmlichen 110kV-Leitung verschwiegen. Wir brauchen Strom, aber warum gleich das 13 fache ?
d)"Stranded costs" Dieser Begriff in der neuen Stromrechnung umschreibt vergangene Verluste der Verbund AG bzw. der Stromwirtschaft die über das Netzentgelt auf den Konsumenten umgelegt werden. Darüber wird gar nicht oder höchstens im Wirtschaftsteil von Zeitungen berichtet.
Diese Abgabe wird seit 1.Okt.2001 über den Netzpreis (Netzpreis+Energiepreis = Strompreis je KW.) eingehoben. Damit kommt der Konsument für vergangene Fehlinvestitionen u. ähnliches der Stromwirtschaft zum Handkuss. Unser Vorschlag: Die Mehrkosten einer umweltschonenden Erdverlegung anstelle dieser "Strandet costs" hier einzurechnen!
e)Ständig falsche Kostenangaben für die Kabelvariante:
Kl.Zeitung vom 20.Juni 2001: "Die 380kV-Leitung im Boden kostet mehr als sechsmal soviel"
"Steirische Stromzukunft" Nr.1, Seite 6: "Prof.Woschitz errechnete in einer von ihm als sinnvoll bezeichneten Variante B (61 km Kabel und 29 km Freileitung) 4,6 Milliarden Schilling, verglichen mit einer (1) Milliarde Schilling für die Freileitung" Zitatende! Kostenfaktor 4,6 : 1 " Wesentlich höher - nämlich das acht - zehnfache der Freileitung - schätzt Ing. Helmel sogar diese Kosten..."
Trotz Übergabe der Kurzfassung unserer Kabelstudie an die Presse und der Verbund AG/APG wurde daraus bis jetzt kein einziges mal richtig zitiert!
Klar sind auf der Seite 29 der Studie die Anlagekosten für die Variante B ( 61 km Kabel und 39 km Freileitung = 100 km) von 4,7 Milliarden zu 1,5 Milliarden anschaulich dargestellt. Kostenfaktor 3,2 : 1 !
Anmerkung: bei einer Straffung der Joanneum-Trasse müsste mit ca.60 km Kabel eine gesamt oststeirische Kabeltrasse möglich sein. Auch eine Umrechnung der Anlagekosten von 100km auf ca. 85 km müsste erfolgen!
f) Energiereport 10/2001 Wiener Monatszeitschrift "Mit einer Informationsoffensive will der Verbund im Kainachtal die geplante 380kV-Freileitung schmackhaft machen. Gemeinsam mit der steirischen Landesregierung wurde eine Gesprächsreihe initiiert" Zitatende !
Frau LH Klasnic hat in einem Schreiben an uns angekündigt, mit Herrn Kapfer einen "Mediator" in Angelegenheit 380kV einzusetzen, um die Gesprächsbasis mit der Verbund AG zu verbessern. Seinerseits stellte sich Herr Kapfer in einem Schreiben an die Gemeinden als "Moderator" vor.
Solche Beispiele könnte ich beliebig fortsetzen. Viele Aussendungen/Berichtigungen/mündliche Hinweise von uns an die Presse/Verbund u.a. werden einfach ignoriert. Auf den uninformierten Leser jedoch wirken solche "Informationen" als Desinformation.